Figuren des St. Pöltner Krippenspiels

Museum am Dom, St. Pölten

Bei dem um 1800 entstandenen St. Pöltner Krippenspiel handelt es sich um ein Stabpuppentheater, das traditionell in der Vorweihnachtszeit aufgeführt wurde. Ein Teil der Figuren wird heute im Museum am Dom St. Pölten aufbewahrt. Zu ihnen zählen auch ungewöhnliche Charaktere wie der „Andredl mit dem dicken Schädl“, dessen Name auf ein einst in Wien und der Steiermark verbreitetes Kinderlied verweist.

Neben biblischen Szenen, die vor allem die Geburt und das Heranwachsen Jesu Christi darstellen, umfasste das Krippenspiel zahlreiche profane und mitunter derbe Elemente. Fantasiespeisen wie die „Hematknöpfelsupp’n“, Gstanzln der Dienstboten oder die erotisch gefärbten Lieder des Rauchfangkehrers geben Einblick in Sprachgebrauch, Humor und Alltagskultur der damaligen Stadtbevölkerung. Zugleich verorten sie das St. Pöltner Krippenspiel in einer weitverbreiteten Tradition, christliche Heilsgeschichte auf volkstümliche Weise zu vermitteln.

Der Heimatforscher Raimund Zoder veröffentlichte 1930 das vollständige Szenarium des zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend in Vergessenheit geratenen St. Pöltner Krippenspiels. Dadurch wurde zwar die Überlieferung der Texte und Lieder dauerhaft gesichert, zugleich jedoch in eine starre Form gebracht; das Krippentheater lebte jedoch sicherlich von Improvisation, Variation und Bezügen auf zeitgenössische Ereignisse und Personen, die heute nur schwer nachvollziehbar sind.
Die Figuren des Krippenspiels bewahren Sprache, Stimme und Erzähltraditionen einer vergangenen Aufführungspraxis und stellen zugleich die letzten materiellen Zeugnisse eines einst lebendigen, heute verstummten Sprachphänomens dar. Daraus ergibt sich die Frage, wie solche musealen Objekte als Träger sprachlicher und kultureller Bedeutungen ausgestellt werden können, ohne die Vielschichtigkeit ihrer historischen Kontexte und Bedeutungsebenen zu verlieren.

Material: Holz gefasst, Textilbekleidung, Kupferstäbe und Drahtverbindungen
Maße: 45 x 50 x 43 cm(Länge, Breite, Höhe)
Datierung: 19. Jahrhundert; mehrfach überarbeitet
Ortsangabe: St. Pölten    

Gesprächspartner: Maximilian Zach