Kundeyt Şurdum: Vitrine Ş
vorarlberg museum, Bregenz
Die Vitrine Ş ist ein fest installiertes Ausstellungsmodul innerhalb der Dauerausstellung buchstäblich vorarlberg des vorarlberg museums in Bregenz. Das Modul wurde 2022 in die bestehende, alphabetisch geordnete Sammlungspräsentation integriert und besetzt den im deutschen Alphabet nicht vorkommenden Buchstaben „Ş“ des türkischen Alphabets.
Die Vitrine dient der Präsentation und Vermittlung ausgewählter Objekte aus dem Nachlass des Lyrikers, Redakteurs und Lehrers Kundeyt Şurdum (1937–2016). Dieser Nachlass befindet sich im Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek und stellt das erste literarische Konvolut einer Person mit Migrationsbiografie in den dortigen Beständen dar.
Die Vitrine gliedert sich in zwei wesentliche visuelle und funktionale Präsentationsebenen:
1. Die obere Vitrinenebene (Arbeitskontext): Hinter der verglasten Front befinden sich Objekte, die das literarische und journalistische Schaffen Şurdums dokumentieren. Dazu gehören eine analoge Reiseschreibmaschine, ein früher Macintosh-Computer, Typoskripte, Manuskripte sowie standardisierte grüne Archivboxen. Auf der Glasscheibe selbst ist der Buchstabe „Ş“ appliziert.
2. Die untere Ebene (Objektschublade): Eine ausziehbare Schublade beherbergt persönliche Alltagsgegenstände und Dokumente, die chronologische und thematische Aspekte von Şurdums Lebensweg ab seiner Migration nach Vorarlberg im Jahr 1971 abbilden. Die Anordnung umfasst:
- Ein türkisches Schulbuch („Alıştırma Kitabı“), das auf seine Tätigkeit als muttersprachlicher Lehrer verweist.
- Einen tragbaren Kassettenrekorder, Kompaktkassetten und Disketten, die seine medienjournalistische Arbeit beim ORF Vorarlberg dokumentieren.
- Eine Taschenuhr, Stempel, persönliche Gegenstände und eine Fotokamera als Zeugnisse des privaten Alltags
- Staatliche Auszeichnungen (u. a. das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich).
Zweck der Präsentation im Museum ist es, Migrationsgeschichte als integralen Bestandteil der regionalen Landesgeschichte darzustellen. Die Kombination aus repräsentativen Arbeitswerkzeugen und fragmentarischen Alltagsdokumenten in der ausziehbaren Schublade ermöglicht eine multiperspektivische und vielstimmige Auseinandersetzung mit biografischen Archivbeständen.
Material: Holz, Glas, Metall, Kunststoff, Papier, Magnetbänder (Kassetten), diverse Alltagsmaterialien (Inhalt der Objektschublade)
Datierung: Vitrine (Integration in Dauerausstellung): 2022; Objektbestände im Nachlass: ca. 1970er-Jahre bis 2016
Ortsangabe: Vorarlberg
Gesprächspartner: Fatih Özcelik, vorarlberg museum, Bregenz
Foto: vorarlberg museum