Venus von Drassburg & Venus von Unterpullendorf
Landesmuseum Burgenland, Eisenstadt
Venus von Drassburg
Die sogenannte „Venus von Drassburg“ ist eine 9,5 cm große anthropomorphe Applikation auf einem keramischen Gefäß der Linearbandkeramischen Kultur. Sie zählt sie zu den herausragenden Zeugnissen jungsteinzeitlicher Kunst im Burgenland. Vergleichbare Frauendarstellungen sind zwar aus Ungarn und der Slowakei bekannt, doch zeichnet sich die Venus von Drassburg durch die besonders deutliche Ausarbeitung der weiblichen Geschlechtsmerkmale aus. Die Figur verbindet Relief- und Ritztechnik zu einer stilisierten Darstellung mit angedeuteten Armen und Füßen sowie markant gestalteten Gesichtszügen und ist als Halbrelief anzusprechen. Entdeckt wurde das Objekt am 19. August 1933 vom Arbeiter des FAD Josef Knopf im Zuge einer Grabung auf dem Taborac bei Drassburg unter der Leitung von Dr. Friedrich Hautmann. Sie wurde in die archäologische Sammlung des Burgenländischen Landesmuseums aufgenommen, wo sie heute zu den bedeutendsten neolithischen Fundstücken zählt. Über Interpretationsmöglichkeiten zum Objekt wird heute noch hinsichtlich ihrer „matriarchalischen Bedeutung“ diskutiert.
Material: Keramik
Datierung: Linearbandkeramik LBK, 5.700-4.800 v. Chr.
Ortsangabe: Drassburg, Bezirk Mattersburg
Venus von Unterpullendorf
Den archäologischen Ausgrabungen des Burgenländischen Landesmuseums in den Jahren 1964 und 1969 ging eine Fundmeldung von Josef Polatschek aus dem Jahr 1963 voraus. Auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche wurden zunächst mehrere Fragmente anthropomorpher Idole entdeckt. Die anschließenden Grabungen legten einen Grubenkomplex mit deutlichen Spuren intensiver Hitzeeinwirkung frei. Insgesamt konnten 33 Fragmente anthropomorpher Plastiken geborgen werden, die sich keiner einzelnen Figur zuordnen lassen. Für die museale Präsentation wurde aus ausgewählten Fragmenten eine Rekonstruktion – die sogenannte „Ausstellungsvariante“ – geschaffen, die heute als „Venus von Unterpullendorf“ bekannt ist. Die Bruchkanten und der Erhaltungszustand der Fragmente sprechen für eine absichtliche Zerstörung der Figuren vor ihrer Niederlegung. Im Zusammenhang mit der besonderen Befundsituation wird daher eine rituelle Deponierung angenommen. Vergleichbare Befunde und bewusst fragmentierte anthropomorphe Statuetten sind aus zahlreichen neolithischen Fundplätzen Mittel- und Südosteuropas bekannt und werden als Ausdruck komplexer kultischer Handlungen interpretiert.
Material: Keramik
Datierung: Lengyelkultur LBK, 4.800-4.000 v. Chr. (Neolithikum)
Ortsangabe: Unterpullendorf, Bezirk Oberpullendorf
Gesprächspartner:innen: Melanie Thurner & Friedrich Wagner, Landesmuseum Burgenland, Eisenstadt
Foto: KBB