Tora-Vorhang zur Vermählungsfeier des Kronprinzen Erzherzog Rudolf mit der Prinzessin Stephanie

Jüdisches Museum Wien

Dieser Tora-Vorhang aus Samt wurde 1881 von den „Frauen Währings“, dem Israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsverein Währing, anlässlich der Verlobung des Kronprinzen Rudolfs mit Stephanie von Belgien gestiftet.
Die Inschrift kombiniert Hebräisch und Deutsch, wobei das Hebräische eine Bibelstelle zitiert und das Deutsche auf das weltliche Ereignis der Vermählung des Kronprinzen Rudolfs verweist. Die goldgestickte Krone verweist sowohl auf die Krone der Tora als auf die Krone der Habsburger.

Der Wunsch der jüdischen Minderheit nach Zugehörigkeit und Teilhabe unter Beibehaltung der eigenen Identität findet sowohl in der zweisprachigen Inschrift als auch in der zweifach lesbaren Krone Ausdruck. Durch den ursprünglich synagogalen Verwendungszweck steht das Objekt an der Schnittstelle zwischen religiöser und profaner Welt. Im heutigen Museumskontext ist noch eine weitere Bedeutungsschicht hinzugekommen, im Jüdischen Museum ist der Vorhang auch Zeuge einer langen Geschichte von Vertreibung und Wiederansiedlung einer jüdischen Minderheit in Wien.

Material: Textilie, Seidensamt, Flitter, Silberfolie, Bouillonfäden, Goldborte; braun-violetter Chintz
Datierung: 1881        
Ortsangabe: Wien

Gesprächspartner: Sabine Apostolo, Jüdisches Museum Wien

 

Foto: JMW