10:15 Uhr – Inputs

„Lasst uns alle Deutsch sprechen, damit niemand ausgeschlossen wird.“ – Über Sprachgebote in Schule und Gesellschaft
Ali Dönmez, Logopäde und Lehrer für Deutsch als Zweitsprache, Wien
 
Ich habe nichts gegen Mehrsprachigkeit. Im Gegenteil! Ich wünschte, ich könnte so viele Sprachen sprechen. Das ist so eine wertvolle Ressource. Aber in der Schule brauchen wir eine gemeinsame Sprache, damit wir einander verstehen und es nicht zu Missverständnissen kommt, weil jemand glaubt, es wird gelästert.
So oder so ähnlich klingen viele Gespräche, die ich mit Menschen über Sprachgebote führe. Es ist eine Haltung, die von Empathie und guten Absichten geprägt ist: Man möchte ein Miteinander schaffen, Missverständnisse vermeiden, Konflikte lösen. Aber wirkt gut gemeint auch wirklich gut? 
Dieser Impuls soll einen Perspektivenwechsel zum Thema Mehrsprachigkeit anbieten.
 

Unterstützte Kommunikation: neue Wege der Verständigung
Martina Ranner, Beratungsstelle LIFEtool Wien

Unterstützte Kommunikation eröffnet neue Wege der Verständigung für Menschen, deren Lautsprache eingeschränkt ist. Durch den Einsatz von Symbolen, digitalen Hilfsmitteln und Tools entstehen vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten jenseits gesprochener Sprache. Diese Ansätze können barrierefreie Zugänge schaffen und einen inklusiven Dialog für alle Besucher:innen ermöglichen.

 

Einladend sprechen – offen sein
Helga Diem, Stimm- und Atemtrainerin, Linz

„Sprache beginnt nicht erst mit dem ersten Wort. Sie beginnt mit dem ersten Blick, der ersten Bewegung, dem ersten Atemrhythmus. Und sie endet nicht, wenn der Satz fertig ist – sie läuft weiter in der Körperhaltung danach.“
Gerhard Hafner zum 90. Geburtstag des Autors und Pantomimen Samy Molcho, in „gehört“ Das Ö1 Magazin, Mai 2026

Menschen fühlen sich zum Zuhören eingeladen, wenn wir ihnen körpersprachlich Offenheit signalisieren.

 

Texte im Museum
Monika Holzer-Kernbichler, Universalmuseum Joanneum, Graz

Museumstexte haben sich in den letzten 20 Jahren deutlich verändert. Vielerorts sind sie kürzer, prägnanter und vor allem verständlicher geworden. Zentral ist dabei nicht nur die Frage Wer spricht?, sondern auch Für wen wird geschrieben? 
Texte im Museum vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch Haltung, Deutung und Machtverhältnisse. Idealerweise sind sie verständlich und anregend, erklären aber nicht alles abschließend. In vielen Textsorten geht es darum Zugänge zu öffnen, laden zum genauen Schauen ein und ermöglichen vielleicht unterschiedlichen Besucher:innen auch eigene Bezüge herzustellen. Aber nicht nur die Anforderungen an den Text haben sich verändert, sondern auch die Schreibpraxis selbst.