Ausstellung „30 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs“

Die Ausstellung 30 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs wurde vom Museum Horn in Kooperation mit dem Technischen Museum Brno realisiert und vom Land Niederösterreich und dem EU-Programm INTERREG gefördert. Das Technische Museum Brno beschäftigte sich in einer eigenen Ausstellung vor allem mit den technischen und organisatorischen Aspekten der Grenzanlagen.

Die Horner Ausstellung griff die Grundstruktur (Periodisierung) und Grundaussagen der Brünner Ausstellung auf. In der Mittelachse des im Erdgeschoß gelegenen ersten Ausstellungsraumes wurde die Entwicklung des „Eisernen Vorhanges“ anhand von einzelnen aussagekräftigen Bildern und Objekten (v. a. Leihgaben aus der umfangreichen Zollamtssammlung des OÖ Landesmuseums in Freistadt und dem Technischen Museum Brno) in seinen verschiedenen Phasen nachgezeichnet (1945–1951, 1951–1965, 1965–1989).

Diesen einzelnen Phasen waren Bereiche/Objektgruppen zugeordnet, die die österreichische Sicht auf den Eisernen Vorhang wiedergeben, insbesondere die Erfahrungen der Bevölkerung im unmittelbaren Grenzraum. Thematisiert wurden auch Zwischenfälle und besondere Ereignisse wie Fluchtversuche, unerlaubte Grenzübertritte und ihre Folgen, Spionagetätigkeit, aber auch positive Begegnungen, wie sie in der Zeit des „Prager Frühlings“ möglich waren.

Die Diskussionen mit den tschechischen Kollegen ergaben, dass das jeweilige Wissen über die Strukturen und Ereignisse rund um den „Eisernen Vorhang“ sowie die Sichtweise darauf doch sehr unterschiedlich waren. In der Ausstellung wurden diese Unterschiede nicht aufgehoben, sondern einander gegenübergestellt.

Mit den Ereignissen des Jahres 1989, die im Fall des „Eisernen Vorhanges“ münden, endete der erste Teil der Ausstellung.

Zwei großformatige Zeitachsen, die von 1945 bis 1989 auf der einen und von 1989 bis 2019 auf der anderen Seite des Raumes reichten, setzten die Ereignisse im unmittelbaren Grenzgebiet mit der „großen politischen Ebene“ in Verbindung und verbanden zugleich das Erdgeschoß mit dem im Obergeschoß gelegenen zweiten Raum der Ausstellung.

Der zweite Teil der Ausstellung beschäftigte sich mit den Entwicklungen im niederösterreichisch-tschechoslowakischen/tschechischen Grenzraum seit 1989. Auf einer großformatigen Karte und an vier Tischen, die jeweils einem anderen Themenbereich gewidmet sind, wurde die Vielfalt der grenzüberschreitenden Beziehungen und Projekte dargestellt. Dieser Ausstellungsbereich war „offen“ und konnte von den Besucherinnen und Besuchern auf historischen Schreibmaschinen um eigene Erfahrungen ergänzt werden.

Die Schau wurde durch Videos, Interviewausschnitte, Bildfolgen auf zwei Bildschirmen und in einem Filmraum ergänzt.

Begleitend zur Ausstellung erschien der Katalog Der Eiserne Vorhang 1948–1989 bzw. Železná opona 1948–1989 mit Beiträgen der beteiligten österreichischen und tschechischen Wissenschafterinnen. Während sich die tschechischen Beiträge auf den Zeitraum 1948 (Machtübernahme der KPČ) bis 1989 beschränkten, waren aus österreichischer Sicht neben den wenigen Zeiträumen intensiverer Kontaktmöglichkeiten bis 1951 (Errichtung der Drahtbarriere), dem Prager Frühling 1968 und den Ereignissen von 1989 auch die Zeiten unmittelbar zuvor und danach wichtig. So hielten sich in der Hoffnung auf eine Möglichkeit zur Rückkehr seit dem Kriegsende noch zahlreiche der aus der Tschechoslowakei vertriebenen und ausgesiedelten deutschsprachigen Bewohnerinnen im Grenzgebiet auf oder kehrten regelmäßig auf Besuch dorthin zurück. Entlang der Grenze entstanden zahlreiche Denkmäler und Erinnerungsorte. Diese Aspekte wurden in eigenen Aufsätzen eingebracht, die von den tschechischen Partnern akzeptiert, aber hinsichtlich der verwendeten Begrifflichkeit (vyhnání/Vertreibung ggü. odsun/Abschub, transfer/Transfer oder vysídlování/Verschiebung) in der Einleitung kritisiert wurden. Unterschiedliche Ansichten gab es auch zum Titel der Ausstellungen bzw. des Katalogs – „Fall“ oder „Öffnung“ des Eisernen Vorhangs.